Grastapete (Grasscloth) – Ratgeber zu Naturfasertapeten und zum Tapezieren
Grastapete ist kein Material, sondern eine Familie: Seegras, Jute, Arrowroot, Hanf und Sisal, zu einem Gewebe verwoben und zur Tapete gemacht. Gemeinsam ist ihnen der handgemachte Charakter – jede Bahn ist buchstäblich aus Pflanzenfasern gewebt –, und genau deshalb kommt Grastapete nie aus der Mode. Hier klären wir die Begriffe und zeigen, wie das Tapezieren gelingt.
Was ist Grastapete?
Grasscloth entstand als Handwerk in Ostasien, wo Gräser und Bastfasern von Hand auf einen Papierfond gewebt wurden. Das Prinzip ist heute dasselbe: Naturfaser wird zu einem Gewebe verwoben, auf einen Träger aus Papier oder Vlies kaschiert und als Tapete angebracht. Die Faser bestimmt den Ausdruck:
- Seegras — glatt, leicht glänzend, oft mit grün-beigem Naturton. Nicht dasselbe wie Sisal.
- Jute — weiche Bastfaser, warm und an der Oberfläche etwas wollig.
- Arrowroot — fein, dicht und elegant, fast seidenmatt.
- Sisal — am trockensten und robustesten; dazu gibt es einen eigenen Ratgeber hier.
Im Sortiment findest du Grastapeten unter anderem bei Osborne & Little (Mythica mural auf Grasscloth) – entdecke alle Grastapeten hier.
Eigenschaften – Vor- und Nachteile
- Handwerklicher Charakter: gewebte Oberfläche mit natürlichen Variationen – die Wand wird lebendig, ganz ohne Muster.
- Wärme und Akustik: Das Fasergewebe dämpft Schall und macht den Raum behaglich.
- Nähte mit Charakter: Die Bahnnähte sind sichtbar und die Farbe kann variieren – das ist das Markenzeichen dieses Stils.
- Empfindliche Oberfläche: Feuchtigkeit, Fett und Reiben sind die Feinde der Grastapete.
- Ausbleichen: Naturmaterialien bekommen in starkem Licht Patina.
So tapezierst du Grastapete
- Vorarbeit: glatte, grundierte Wand in einem Farbton nahe dem Fond des Gewebes.
- Bahnen sortieren: Leg die Rollen aus und plane die Reihenfolge – Farbnuancen wirken am stimmigsten, wenn Bahnen derselben Rolle pro Wand zusammenbleiben. Manche Hersteller empfehlen, jede zweite Bahn zu stürzen; folge der Anleitung.
- Paste the wall: Starker Kleister für schwere Qualitäten wird auf die Wand gerollt. Kein Kleister auf das Gewebe.
- Auf Stoß: keine Überlappungen. Drück mit einer trockenen Gummiwalze oder einer weichen Bürste an – Fingerabdrücke und Kleisterspuren setzen sich sofort in der Faser fest.
- Mit scharfer Klinge sauber schneiden: Naturfaser stumpft die Schneide ab; wechsle die Klinge nach jeder Bahn für messerscharfe Abschlüsse an Decke und Sockelleiste.
Pflege und Raumwahl
Saug mit einer weichen Düse ab und tupf Flecken sofort trocken ab. Grastapete fühlt sich in Wohnzimmer, Schlafzimmer, Arbeitszimmer, Esszimmer und Flur wohl – nicht aber in Nassräumen oder Spritzbereichen. Ein klassischer Kniff ist Grastapete über einer halbhohen Wandvertäfelung: Die Textur trifft auf das Holz, und der Raum gewinnt sofort an Tiefe.
Häufige Fragen
Was ist Grastapete?
Grastapete – auf Englisch Grasscloth – ist der Sammelbegriff für Tapeten, bei denen Naturfasern wie Seegras, Jute, Arrowroot oder Sisal zu einem Gewebe verwoben und auf einen Papier- oder Vliesträger kaschiert wurden. Jede Faser hat ihre eigene Textur und ihren eigenen Schimmer.
Was ist der Unterschied zwischen Seegras, Jute und Sisal?
Seegras stammt von Wasserpflanzen und ist glatt mit leichtem natürlichem Glanz. Jute ist eine weichere Bastfaser mit warmem, etwas wolligem Charakter. Sisal stammt aus Agavenblättern und ist am trockensten und gröbsten. Alle drei werden zu Grastapete verwoben, wirken aber deutlich unterschiedlich.
Wie wird Grastapete tapeziert?
Wie andere textile Wandbekleidungen: Kleister auf die Wand (paste the wall), Bahnen auf Stoß ohne Überlappung, eine saubere, trockene Walze und auf keinen Fall Kleister auf die Faseroberfläche. Nähte und Farbnuancen zwischen den Bahnen gehören zum Charakter des Materials.
Warum variiert die Farbe zwischen den Bahnen?
Naturfasern nehmen Farbe je nach Standort und Ernte unterschiedlich an. Die Nuancen sind kein Fehler, sondern Teil des handwerklichen Charakters der Grastapete – prüfe jedoch, dass alle Rollen aus derselben Charge stammen.
Verträgt Grastapete Feuchtigkeit?
Nein. Grastapete gehört in trockene Räume – Wohnzimmer, Schlafzimmer, Arbeitszimmer, Esszimmer und Flur. Für das Bad gibt es Vinyltapeten, die die Textur von Grastapete erstaunlich gut nachahmen.


























